Johann Michael malt Carl Michael


Johann Michael Kupfer – Porträt von Carl Michael Ziehrer
Johann Michael Kupfer – Porträt von Carl Michael Ziehrer

Er ist der heimliche Wiener Walzer- und Operettenkönig, der zeitlebens – zu Unrecht – im Schatten des grossen Johann Strauss II. gestanden hat. Carl Michael Ziehrer (1842-1922), schaffenkräftiger Komponist, tüchtiger Kapellmeister sowie vierter und letzter k.u.k. Hofballmusikdirektor hat die Wiener Tanzmusik nachhaltig mitgeprägt und ins 20. Jahrhundert hinübergeführt. Eine ausführliche Biografie Ziehrers ist hier zu finden.


Es existieren mehrere Porträts und Gemälde Ziehrers, wovon dasjenige von Johann Michael Kupfer (1859-1917) als eines der "offiziellsten" gilt. Es zeigt den Komponisten im Alter von 42 Jahren in dunkler Zivilkleidung auf einem Sessel sitzend, in der Hand eine rauchende Zigarre, den Hintergrund bilden eine Gardine aus schwerem Stoff und der Blick auf den Wiener Stephandsom. Zwei Jahre vor Entstehen des Gemäldes hatte Ziehrer an der Weltausstellung in Chicago seine ersten grossen internationalen Erfolge gefeiert und war seither weit über die Grenzen der Monarchie hinaus bekannt. Das Gemälde – Öl auf Leinwand – ist heute im Besitz des Österreichischen Theatermuseums Wien.


Die Porträtmalerei war nicht das Hauptmétier Johann Michael Kupfers. Bekannt war der deutschstämmige Künstler insbesondere für seine authentischen Schilderungen des Wiener Volkslebens – auf diesem Gebiet zählte der Maler ab der Jahrhundertwende zu den bedeutendsten Vertretern. So finden sich in seinem Oeuvre Darstellungen aus Wiener Kaffee- und Wirtshäusern, von Gesellschaftsanlässen und Aktivitäten der Wiener Bürger wie Tarockpartien oder eine Fahrt im Pferdeomnibus. Eines von Kupfers wichtigsten Werken, welches in jüngerer Zeit auf dem Kunstmarkt aufgetaucht ist, zeigt eine grossformatige Szene aus einem dicht bevölkerten Biergarten. All diese Motive sind grundsätzlich überzeugender und qualitätvoller als die wenigen Personenporträts Kupfers. So wirkt Carl Michael Ziehrer in Kupfers Gemälde etwas starr und in seiner Haltung leicht missproportioniert. Dem ganzen Werk fehlt es an Kontrast und Tiefe; trotz des Fernblickes im Hintergrund. Für die Internationale Musik- und Theaterausstellung im Wiener Prater anno 1895 malte Kupfer weitere Porträts, darunter eines von Franz von Suppé.


Johann Michael Kupfer studierte zunächst Bildhauerei in Nürnberg, München und Wien. In der österreichischen Hauptstadt wandte er sich schliesslich dem Studium der Malerei zu. Ein Semster absolvierte er in Karlsruhe. Ab 1883 war Kupfer in Wien sesshaft, fokussierte sich auf das hiesige Volksleben und schuf vielbeachtete Genrebilder, für welche sich selbst das Kaiserhaus interessierte. Er zeigte seine Werke im Rahmen namhafter Ausstellungen im In- und Ausland. von 1900 bis 1914 arbeitete Kupfer in einem grosszügigen Atelier in Nussdorf. Seine letzten drei Lebensjahre verbrachte er in Meidling. Johann Michael Kupfer starb hier am 21. Juni 1917.

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