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Ein Stück Zuger Pressegeschichte

30. Sept.
3 Min. Lesezeit
(Artikel aus der "Zuger Zeitung" vom 26. September 2026 von Andreas Faessler)

Ein Zufallsfund auf dem deutschen Kunstmarkt wird zum Ausgangspunkt einer historischen Entdeckung. Hinter einem Menzinger Porträt verbirgt sich die Geschichte der Buchdruckerei Elsener – und der frühen «Neuen Zuger Zeitung».


Johann Baptist Elsener von Menzingen (1790-1857), gemalt von Franz Xaver Zürcher
Johann Baptist Elsener, Porträt von Franz Xaver Zürcher

Wie das von einem Menzinger gemalte Porträt eines Menzingers nach Deutschland gekommen ist, bleibt ungewiss. Jedenfalls tauchte es da vor Kurzem in einem kleinen Auktionshaus auf und gab Anlass zur genaueren Betrachtung. Es zeigt einen älteren Herrn, das Haupt leicht gesenkt, mit hoher Denkerstirn, schütterem Haar und einem ernsten, leicht müden Blick – würdevoll, zurückhaltend und etwas streng.


Das Bildnis zeigt Johann Baptist Elsener, geboren am 1. Juli 1790 in Menzingen, gestorben am 11. Februar 1857 in Zug – so vom Maler eigenhändig auf der Rückseite der Leinwand vermerkt. Die Suche nach biografischen Einzelheiten zum Abgebildeten bringt wenig Konkretes zutage. Für die genealogische Einordnung des Porträtierten müsste man wohl die historischen Tauf- oder Sterberegister konsultieren. In diesem Fall jedoch bringt eine Suche im Schweizer Medienarchiv Licht ins Dunkel: Eine Sterbeannonce in der «Neuen Zuger Zeitung» vom 14. Februar 1857 besagt, dass der Abgebildete nach kurzer Krankheit im Alter von 66 Jahren verstorben ist, verwitwet und zuletzt wohnhaft an der St. Oswaldgasse. In Klammern ist zudem vermerkt: «Buchdruckerei Elsener».


Stets in Geldsorgen


Bekannt ist: 1854 wurde die Zuger Buchdruckerei der Gebrüder Alois und Martin Anton Keiser, die seit 1846 die von den Brüdern Keiser gegründete «Neue Zuger Zeitung» produzierte, an den gleichnamigen Johann Baptist Elsener (1825–1910) verkauft. Die Firma wurde bis mindestens ins Frühjahr 1856 – so legen es zeitgenössische Medien nahe – unter dem Namen Keiser weitergeführt. Der Verstorbene dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit der Familie des neuen Druckereibesitzers angehört haben. Ob es sich um dessen Vater oder einen nahen Verwandten handelte, lässt sich derzeit jedoch nicht eindeutig belegen.


Aus der Todesmeldung vom Februar 1857 geht zudem hervor, dass der Verblichene seit dem 30. Oktober 1854 in Zug gelebt hatte, also seit dem Zeitpunkt der Druckereiübernahme durch den (mutmasslichen) Sohn. Zeitgenössische und spätere Quellen beschreiben Johann Baptist Elsener als wirtschaftlich wenig erfolgreich. Er verfügte demnach nicht über genügend Kenntnis des Druckereiwesens und steckte stets in finanziellen Schwierigkeiten.


Ein Eintrag in der «Neuen Zuger Zeitung» vom 6. Juni 1857 besagt, dass Elsener «auf Martini 1854 angehend» – das entspricht dem 11. November 1854 – bei einer Anna Maria Elsener aus Menzingen ein Darlehen von 200 Franken aufgenommen hatte, welches durch seinen Anteil an einer Liegenschaft in Wilen hinter Menzingen abgesichert war. Das Darlehen könnte mit der kurz zuvor erfolgten Übernahme der Druckerei zusammenhängen.


Die exakte Adresse der Druckerei ist in den zugänglichen Quellen nirgends vermerkt. Nach der Übernahme befand sie sich mit Sicherheit an der St. Oswaldgasse in den Räumen der ehemaligen Druckerei Keiser. Eine spätere Notiz, dass sie in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gasthof Falken stand, deutet darauf hin, dass die Druckerei später wohl an die nördliche Neugasse umgezogen ist. Der 1838 eröffnete «Falken» stand beim alten Baarertor an der Neugasse 3, heute Mobiliar. Die Firma Elsener war sehr regional ausgerichtet und produzierte neben der «Neuen Zuger Zeitung» sowohl Bücher als auch kleinere Broschüren, Festschriften und lokale Publikationen. Besonders häufig erscheint ihr Impressum auf Werken mit regionalgeschichtlichem oder kirchlichem Inhalt.


Die Druckerei Elsener existierte bis 1889, als der Betrieb von Landammann Dominik Hess erworben wurde. Doch starb der neue Inhaber bereits im Folgejahr, und das Verlagsrecht wurde an die «Zuger Nachrichten» verkauft.


Ein fleissiger Kirchen- und Porträtmaler


Das vorliegende Ölporträt ist eines der wenigen Zeugnisse, das direkt an einen der wichtigsten Druckereibetriebe Zugs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erinnert. Es stammt aus der Hand Franz Xaver Zürchers. 1819 in Menzingen geboren, lernte dieser im Alter von zwölf Jahren sein erstes Zeichenhandwerk bei keinem Geringeren als dem bekannten Nidwaldner Kirchenmaler Melchior Paul Deschwanden. Der Menzinger entschied sich für eine Künstlerlaufbahn. Nach Ausbildungen in Zug, Zürich und München kehrte er 1841 in sein Heimatdorf zurück. Ab 1844 erhielt er erneut Unterricht von Deschwanden und fokussierte sich unter anderem auf die Porträtmalerei und auf das Kopieren von Deschwandens Kirchenbilder.


Diese direkt beim Meister erworbene Fertigkeit brachte Zürcher nach seiner Rückkehr nach Zug im Jahre 1849 einen ersten namhaften Auftrag: Er malte das Hochaltarblatt für die Mauritiuskirche in Niederwil – Christus am Kreuz mit Magdalena. Bildungsreisen nach Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich prägten Zürchers Stil zusätzlich. Das Œuvre des 1902 in Zug verstorbenen Menzingers kann sich sehen lassen: Sein eigenhändig erstelltes Verzeichnis weist 303 Sakralbilder und 106 Porträts auf. Eines davon zeigt das schlichte, aber charaktervolle Konterfei Johann Baptist Elseners – das auf unbekannten Wegen in Deutschland gelandet ist.


 
 
 

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