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Carl Reichert und die Tiere

  • Autorenbild: Andreas
    Andreas
  • 18. Okt. 2021
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Apr. 2025


Carl Reichert – Futterneid, Ölgemälde auf Holz
Carl Reichert – "Futterneid"

Ist von Tiermalerei die Rede, kommt man an ihm nicht vorbei: Carl Reichert (1836-1918) war seinerzeit einer der führenden Künstler dieses Genres. Seine Gemälde sind bis heute auf dem Markt heiss begehrt, sind Tiermotive doch zeitlos und einst wie jetzt beliebt. Vor allem, wenn sie von so frappierender Qualität sind wie diejenigen Reicherts. Von fotografischer Genauigkeit sind die Gemälde, bis ins kleinste Detail naturgetreu.


Reicherts Spezialität waren nicht Tiere in freier Natur, sondern hauptsächlich domestizierte, sprich Haustiere. Davon in erster Linie Katzen, Hunde, Pferde und Vögel. Die Sujets sind grundsätzlich von süsslicher, niedlicher Natur. Meist sind seine Tiere von Neugier und Verspieltheit erfüllt und entsprechend in einen Kontext gesetzt. Die Bilder strahlen grundsätzlich Harmonie und heile Welt aus. So auch unser hier betrachtetes Gemälde mit vier Kätzchen, einem Hund und einem Mädchen.


Die Bezeichnung des Bildes lautet „Futterneid“. Dieser Titel lässt Interpretationsspielraum offen: Wollte das Mädchen bloss die Kätzchen füttern? Immerhin befindet sich Milch in der schale, weshalb dies naheliegend ist. Ist der Hund somit der ungeladene Gast aus der Hütte dahinter, drängt sich ins Geschehen und lappt den Katzen die Milch weg? Für den Hund wäre wohl eher die grössere Schale mit Wasser gedacht. Der etwas unerfreute Blick der schwarzen Katze untermauert diese Interpretation. Auch beim Mädchen könnte man vermuten, dass es den Hund nicht an der Schale erwartet hätte. Es ist eine der eher seltenen Tierszenen, bei denen Carl Reichert Menschen integriert. Signiert hat es der Künstler mit seinem bekannten Pseudonym „J. Hartung“ (Julius Hartung).


Eine mit „C. Reichert“ signierte Version dieses Motives ist im Frühling 2019 im Wiener Dorotheum aufgetaucht. Diese ist beim genauen Betrachten nicht ganz so klar ausgeführt wie die Hartung-Version. Auch ist der gewählte Ausschnitt etwas kleiner. Die Reichert-Version trägt den Titel „Dinnerparty“. Eine weitere Möglichkeit der Interpretation. Es existieren indes noch weitere Versionen dieses offenbar (einst) recht beliebten Motivs.


Carl Reichert wurde 1836 als Sohn eines Historienmalers geboren. Nach seiner Ausbildung widmete er sich vorerst der Landschaftsmalerei. Nachdem er auf Wunsch von hoher adliger Stelle zwei Hundeportärts angefertigt hatte und beim Wiener Hof weiterempfohlen worden war, etablierte sich Reichert als gefragter Tiermaler. Er starbt im April 1918 in Graz.

1 Kommentar


Guest
29. Nov. 2025

Ein wirklich aufschlussreicher Artikel über Carl Reichert, dessen Fähigkeit, die Seele der Tiere einzufangen, unübertroffen bleibt. Es ist faszinierend, wie seine Werke nicht nur die Tiere selbst, sondern auch die Beziehung zwischen Mensch und Tier im 19. Jahrhundert dokumentieren. Während damals ein Porträt des geliebten Vierbeiners der ultimative Luxus war, zeigen wir heute unsere Zuneigung auf andere Weise, beispielsweise indem wir ihnen mit einem passenden Teppich für unsere vierbeinigen Freunde einen eigenen, gemütlichen Platz in unserem Zuhause schaffen.


Die Entwicklung der Tiermalerei: Mehr als nur ein Abbild

Die Tiermalerei, wie sie von Künstlern wie Reichert praktiziert wurde, war ein Spiegelbild des gesellschaftlichen Wandels. Im Biedermeier rückte das häusliche Glück in den Mittelpunkt, und Haustiere wurden zu vollwertigen Familienmitgliedern. Diese emotionale…


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