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Waldmüller und der geadelte Rechtsgelehrte

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Philipp Mannagetta von Lerchenau, Porträt von Ferdinand Gerog Waldmüller
Philipp Mannagetta von Lerchenau, Porträt von Ferdinand Georg Waldmüller

Sein Blick ist selbstbewusst, entschlossen, liebenswürdig irgendwie und zielt am Betrachter rechts vorbei. Der Mann sitzt auf einem biedermeierlichen Armlehnstuhl mit floralem Bezug, ist bürgerlich gekleidet und sorgfältig frisiert mit Seitenscheitel. Das attraktive Bildnis eines Herrn ist typisch für die qualitativ hochausgefeilte Porträtmalerei Ferdinand Georg Waldmüllers (1793-1865). Das Licht fällt auf das Gesicht des Abgebildeten sowie den Stuhl als Accessoir, der Hintergrund ist neutral, so dass nichts vom Hauptprotagonisten ablenkt. Waldmüller bildet hier Philipp Mannagetta von Lerchenau (1795-1862) ab, Angehöriger der ursprünglich aus Italien stammenden Patrizierfamilie Mannagetta, die seit dem späten 16. Jahrhundert in Österreich ansässig und 1637 in den Adelsstand mit dem Zusatz «von Lerchenau» erhoben worden war.


Der am 17. März 1795 in Wien geborene Philipp Edle oder auch Ritter von Mannagetta hat eine Laufbahn als Jurist eingeschlagen, studierte an der Universität Wien und doktorierte hier 1820. Im September selben Jahres erhielt er von kaiserlicher Stelle für seine juristische Arbeit während des Studiums und das erfolgreiche Bestehen der vier Abschlussprüfungen die Doktorswürde verliehen.


1816 gehörte der Student Philipp Mannagetta von Lerchenau zu den Hauptveranstaltern der musikalischen Widmungsfeier zu Ehren Heinrich Joseph Watteroths (1756-1819). Anlässlich seines Namenstages am 13. Juli sollte der angesehene Professor der politischen Wissenschaften geehrt werden. Für ein Konzert im Garten dessen Hauses in Erdberg Schrieb Franz Schubert eigens seine Prometheus-Kantate D451 nach einem Gedicht des Studenten Philipp Draexler. Das Werk ist heute verschollen.


Philipp Mannagetta war stets ein angesehener Kenner des Rechts, und seine Expertise wurde allseits geschätzt. Im März 1857 ersuchte Mannagetta um seine Versetzung in den Ruhestand, was ihm gewährt wurde. Im Zuge dessen wurde ihm der Titel k.k. Hofrath verliehen. Mannagetta starb am 4. Juli 1862 in Mödling. Er wurde im Familiengrab auf dem St. Marxer Friedhof beigesetzt.


Der Weg in und durch namhafte Sammlungen



Philipp Mannagetta von Lerchenau in späteren Jahren, Lithografie von JOsef Kriehuber
Philipp Mannagetta von Lerchenau in späteren Jahren, Lithografie von Josef Kriehuber

Das signierte und mit 1838 datierte Waldmüller-Porträt – Öl auf Holz – zeigt den Adligen im Alter von 45 Jahren. Das Gemälde hat eine reiche, interessante und gut belegte Provenienz: 1897 war es durch Erbfolge im Besitz von Johann von Novotny-Mannagetta, Ehemann von Felicia Barbara von Mannagetta-Lerchenau. Novotny-Mannagetta war geadelter Landrat und Bürgermeister von Mödling. Im selben Jahr wurde das Bildnis an der so genannten Schubert-Ausstellung der k.k. Reichshaupt- und Residenzstast Wien im Künstlerhaus gezeigt. Danach ist das Gemälde als Teil der Sammlung Viktor Zuckerkandl (1851-1927) feststellbar. Zuckerkandl war österreichischer Industrieller und Sammler bedeutender Kunst des 19. Jahrhunderts. Seine Schwägerin war die bekannte Wiener Salonnière Berta Zuckerkandl-Szeps.


Im Oktober 1916 wurde ein grosser Teil von Zuckerkandls Sammlung, darunter auch das Mennagetta-Porträt, über eine Auktion des bekannten Wiener Kunsthändlers Carl Josef Wawra versteigert und kam so in eine weitere bedeutende Sammlung, diejenige der Gebrüder Gottfried und Hermann Eissler. Die beiden gehörten zu den einflussreichsten Wiener Kunstsammlern ihrer Zeit. Ihre Kollektion umfasste eine Vielzahl an Werken Waldmüllers, von Alts und anderen österreichischen sowie auch italienischen, französischen und spanischen Malern.


Grab der Mannagetta von Lerchenau auf dem St. Marxer Friedhof in Wien
Grab der Mannagetta von Lerchenau auf dem St. Marxer Friedhof in Wien

Die jüdischstämmigen Eisslers galten nach dem Anschluss Österreichs als Verfolgte. Hermann Eisslers Ehefrau Hortense war jedoch «arisch». Eissler übertrug einen Teil der Sammlung an seine Frau und flüchtete über die Schweiz nach Frankreich. Hortense blieb in Wien, liess die Ehe – wohl aus taktischen Gründen – auflösen und einige bedeutende Kunstwerke nach Frankreich bringen. Weitere Teile der Kunstsammlung verkaufte sie während der Kriegsjahre. 1951 heiratete das Paar ein zweites mal. Hermann Eissler starb 1953. Die Bemühungen der Witwe um Restitution der Kunstwerke blieben weitgehend erfolglos.



Wann und wie das Mannagetta-Porträt von Waldmüller aus der Sammlung Eissler gekommen ist, bleibt zum Zeitpunkt unklar, der Besitzerwechsel ist jedoch vor 1942 erfolgt, denn spätestens ab dann findet sich das Bildnis in der Sammlung des Winterthurer Politikers, Industriellen und Kunstmäzens Dr. Robert Bühler (1902-1972), welcher bei der Gründung der Stiftung Oskar Reinhart eine wesentliche Rolle gespielt hat. Ein altes Etikett auf der Rückseite des Porträts verweist auf den bühler’schen Besitz und auf eine Präsentation des Porträts im Rahmen des Ausstellung «Der Winterthurer Privatbesitz» im dortigen Kunstmuseum im Jahr 1942. Um 1953 war das Gemälde als Leihgabe nach Salzburg geschickt worden anlässlich der Waldmüller-Ausstellung in der Residenzgalerie, welche vom 15. Juni bis 15. September stattgefunden hat. Ein weiteres Etikett belegt dies.


Der letzte Besitzerwechsel des Mannagetta-Porträts erfolgte im März 2024 via Kunstauktion bei Koller in Zürich.




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