Der Kirchenpatron im Bilde

(Artikel aus der "Zuger Zeitung" vom 5. November 2022 von Andreas Faessler)

Der hl. German von Auxerre am Hochaltarblatt der Germanskapelle in Buonas, Kanton Zug
Der hl. German von Auxerre am Hochaltarblatt der Germanskapelle in Buonas, Kanton Zug

Die Kapelle von Buonas ist ein barockes Kleinod mitten in der sanft zum See hin abfallenden Landschaft im Ennetsee. Hauptaugenmerk der stimmigen, farblich reich abgestuften Altargruppe im Inneren ist das Hauptblatt am Hochaltar. Es zeigt offenbar den heiligen Bischof German von Auxerre, der im 4. und 5. Jahrhundert gelebt hat. Ihm ist die Kapelle zu Buonas denn auch geweiht. Doch wie wird ein hierzulande eher unpopulärer Heiliger Kirchenpatron im kleinen Ort am Zugersee? Der Grund ist beim Kapellenstifter German Wetzstein (auch Wettstein) aus Zug zu suchen. Die Biografie dieses im ausgehenden 16. Jahrhundert geborenen Kirchenmannes ist eindrücklich: Nach einer Tätigkeit als Kaplan in St.Wolfgang bei Hünenberg war German Wetzstein Pfarrer in Menzingen, Küssnacht und Entlebuch. Im Luzerner Dorf liess er ein neues Pfarrhaus errichten.


1630 trat Wetzstein als Novize ins Franziskanerkloster in Luzern ein und wurde noch im selben Jahr zum Guardian des in Werthenstein neu entstehenden Klosters gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis zu seinem Tod im Juli 1638. Im Zuge seines Eintritts in den Franziskanerorden verfügte Wetzstein in seinem Testament, dass ein wesentlicher Teil seines Vermögens für den Bau eines Gotteshauses in Buonas einzusetzen sei. 1635 waren der Auftrag ausgeführt und die Kapelle errichtet. Es ist nicht auszuschliessen, dass Wetzstein, der nachweislich über entsprechende Kenntnisse in Sachen Architektur verfügt hatte, selbst bei der Planung mitwirkte.



Die Kapelle St. German in Buonas/Risch, Kanton Zug
Die Kapelle St. German in Buonas/Risch, Kanton Zug

Der spätere Gerichtsherr Johann Martin Schwytzer (1634–1713) aus Luzern, ab 1654 auf Schloss Buonas wohnend, kümmerte sich persönlich mit viel Hingabe um das Buonaser Kirchlein. 1662 liess er es durch den Bischof von Konstanz dem Kapellenstifter zu Ehren dessen Namenspatron German weihen. Weiter stiftete er unter anderem die Seitenaltäre sowie die Ausstattung der Sakristei und sorgte sich um den Unterhalt des Gebäudes. Zu Schwytzers weiteren Verdiensten um die Ausstattung der Germankapelle gehört wahrscheinlich auch das eingangs erwähnte Altarblatt mit dem Kirchenpatron als Hauptthema – zumindest so, wie es heute erscheint. Es zeigt den Heiligen sitzend im Bischofsornat, begleitet von den heiligen Agatha und Verena sowie Putti. Unter der Gruppe eröffnet sich die weite Zugerseelandschaft mit Schloss Buonas und der Kirche Risch. Gemäss dem Zuger Kunsthistoriker Josef Grünenfelder handelt es sich hierbei wohl um die erste realitätsnahe Darstellung des Zugersees und seiner Umgebung.

Innenansicht der Kapelle St. German
Innenansicht der Kapelle St. German

In seiner ursprünglichen Form entstanden ist das Gemälde mit Germanus wahrscheinlich bereits um das Jahr 1633, also zur Bauzeit der Kapelle. Doch legen Untersuchungen nahe, dass das Altarblatt um zirka 1690 überarbeitet worden ist. Im Zuge dessen ist wohl unter anderem die betende Männerfigur in der unteren linken Ecke eingefügt worden. Es handelt sich mit Sicherheit um den Stifter des (überarbeiteten) Altarblattes. Hierbei ist es naheliegend, dass es Johann Martin Schwytzer ist, womöglich in Amtstracht, auch wenn sie für diese Zeit altmodisch wirkt.


Der mutmassliche Kirchenpatron, der heilige German von Auxerre, hatte politische und militärische Ämter in seiner Heimatstadt inne, ehe er sich vom weltlichen Leben verabschiedete, Priester und später Bischof wurde. Er gründete Klöster und förderte die Armenfürsorge. Es gelang ihm, in England den katholischen Glauben zu stärken, und in Ravenna erwirkte er die Begnadigung Aufständischer. In Ravenna verstarb Bischof German. Die katholische Kirche allerdings führt mehrere Heilige und Verehrte namens German respektive Germanus an. Neben dem Bischof von Auxerre sind Bischof German von Paris (496–576) und German von Granfelden (612–675) die bekannteren. Letzterer war erster Abt des Klosters Moutier-Grandval (Münster-Granfelden) im heutigen Berner Jura. Die Abtei ist bereits kurz nach dem Jahr 1000 wieder geschlossen worden. Germanus von Granfelden ist beispielsweise die Pfarrkirche im nahen Abtwil/Freiamt geweiht.


Auf welchen dieser drei Germans sich der Vorname des Zuger Kapellenstifters zu Buonas bezogen hatte, ist nicht überliefert. Man geht vom Bischof von Auxerre aus. Denn unser German auf dem Altarblatt in Buonas kommt den Darstellungen desjenigen aus Auxerre am nächsten. Interessant jedoch ist ein Detail im Gemälde, welches German von Paris nicht ganz ausschliessen oder zumindest miteinbeziehen lässt: Das Engelchen direkt unter der Wolkenszene links giesst Wasser auf ein brennendes Haus. Das könnte ein Hinweis auf German von Paris als Schutzpatron gegen Feuergefahr sein. German von Auxerre ist eher für Dinge wie Irrsinn oder Durchfall zuständig. Da lässt sich die Sache mit dem Feuer doch etwas «eleganter» darstellen ...



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