Die hervorragende lavierte Tuschzeichnung von 1877 zeigt eine junge Dame von der Seite mit halb verdecktem Haar. Es handelt sich um die Kopie eines Gemäldes. Das Motiv taucht 1860 im Werk eines nicht näher bekannten Malers namens C. Jullemier auf. Ob die vorliegende Zeichnung eine spiegelverkehrte Nachahmung dessen ist oder ob Jullemier auch ein bestehendes Gemälde kopiert hat, bleibt nicht abschliessend geklärt.

 

Urheberin dieser grossen meisterhaften Zeichnung ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Wiener Malerin Maria Schöffmann (1859-1941) – sie hat das Porträt mit "Marie" signiert und mit 12. August 1877 datiert. Schöffmanns künstlerisches Werk konzentrierte sich zeitlebens hauptsächlich auf das professionelle Kopieren Alter Meister.

 

Maria Schöffmann war die Tochter des Wiener Historienmalers Wilhelm Schöffmann (1815-1888). Ihr Vater erteilte ihr den ersten Malunterricht. Ab 1880 arbeitete die Künstlerin als Kopistin in der Wiener Gemäldegalerie und erhielt namhafte Aufträge von hoher Stelle, unter anderem vom Fürsten von Liechtenstein und von Mitgliedern des Kaiserhauses. Für das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg fertigte sie eine Kopie von Dürers Allerheiligenbild an, welches in den Originalrahmen eingefügt worden ist. Neben ihrer Haupttätigkeit des Kopierens schuf Maria Schöffmann auch eigene Werke, insbesondere religiöse Darstellungen für Kirchengebäude.

 

Das 54,5x38cm grosse Blatt ist in einem guten Zustand und weist normale Altersspuren auf. An den Rändern sind gerüngfügige Lädierungen auszumachen. Einzig ein grösserer Riss von ca 4,5cm Länge am linken Rand ist als Beschädigung zu deklarieren. Er tangiert die Zeichnung selbst jedoch nicht.

Maria Schöffmann – Junge Frau im Seitenprofil

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