Das Blatt zeigt den Blick über eine Ackerlandschaft auf eine mittelalterliche Kirche mit offenbar dazugehörigen Gebäuden. Die lokalität ist nicht überliefert. Beim Gotteshaus mit Strebewerk, hohem Mittelschiff und vergleichsweise kleinem Dachreiter dürfte es sich um eine Klosterkirche handeln und bei den Gebäuden demzufolge um Konventbauten. Der Typus der Kirche entspricht derjenigen von Zisterzienserorden. Rechts davon ist eine weitere, wesentlich kleinere Kirche abgebildet. Der Vordergrund mit Holztor ist offenbar partiell mit Feder ausgeführt und laviert.
Das Trägerblatt der ansprechende Zeichnung ist mit "Girardet" signiert, was eindeutig auf den Schweizer Maler Karl Girardet verweist. Auch der Zeichenstil folgt exakt demjenigen vergleichbarer Blätter Girardets.
Der 1814 im neuenburgischen Le Locle geborene Girardet entstammte einer Künstlerfamilie und erhielt nach dem Umzug nach Paris ab 1822 eine klassische Kunstausbildung, zunächst privat, später an der École des Beaux-Arts. Girardet machte rasch auf sich aufmerksam: Ab 1836 war er im Pariser Salon präsent und wurde vom Königshof gefördert, unter anderem mit Aufträgen für Versailles. Reisen durch Deutschland, Italien, Tirol, an die Adria und insbesondere in die Schweiz prägten Girardets Werk nachhaltig; Landschaften und Naturidyllen wurden zu einem zentralen Thema. Daneben machte er sich mit historischen Darstellungen und Buchillustrationen einen Namen. Ab 1857 lebte er in Montmartre, dokumentierte 1870 die Belagerung von Paris zeichnerisch und starb 1871, gesundheitlich schwer angeschlagen, in seinem Atelier.
Angesichts von Girardets ausgedehnter Reisetätigkeit ist es schwierig zu eruieren, welches Kloster das vorliegende Blatt zeigt. Es passt motivisch und stilistisch exakt in Girardets zeichnerisches Oeuvre.
Das Blatt ist in einem einwandfreien Zustand, bis auf punktuell leichte altersbedingte Fleckungen in den Randbereichen.
Masse Zeichnung: 22,5x16cm
Masse total: 33x24cm
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CHF 360.00Preis
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