Müller und die Schönheit der Orientalen

Aktualisiert: Okt 19


Leopold Carl Müller – Porträt einer Fellachin, Ölgemälde auf Leinwand
Leopold Carl Müller – Porträt einer Fellachin

Orientmotive gehörten im 19. Jahrhundert mit zu den begehrtesten Themen in der Malerei. Einige Künstlerinnen und Künstler taten das, was der „normalen“ Bevölkerung noch weitgehend verwehrt war: Sie nahmen beschwerliche Reisen auf sich, um diese fremden Welten zu studieren und abzubilden. In Österreich tat sich insbesondere einer als Orientmaler hervor: Leopold Carl Müller (1834-1892) bewegte sich mit August von Pettenkofen, Hans Makart und anderen grossen Namen der Zeit in höchsten Künstlerkreisen. Von Müllers mehreren Orientfahrten – die meisten davon nach Ägypten – zeugen beeindruckende Ölgemälde. Sein bekanntetes ist heute im Besitze der Galerie im Belvedere. Das grossformatige Werk von 1878 zeigt einen belebten Markt in Kairo.


Für seine Orientszenenen studierte Müller die einheimische Bevölkerung und ihre äusserlichen Merkmale sehr genau. Er fertigte eine grosse Zahl an Kopfstudien an, zu denen auch das hier gezeigte Werk gehört, eine Fellachin. Die junge Frau aus der einfachen, bäuerlichen Landbevölkerung des vorderen Orients trägt markante Gesichtszüge, welche Müller durch das von oben einfallende Sonnenlicht geschickt hervorhebt. Der Maler versteht es auf einzigartige Weise, die natürliche Schönheit der Menschen – egal, ob Mann oder Frau – zu betonen, ohne zu idealisieren oder gar zu verfälschen. Er verleiht ihnen etwas Anmutiges, etwas Stolzes, unabhängig davon, ob es sich um eine aristokratische Persönlichkeit handelt oder um jemanden vom Feld. Müller tendiert in seinen Gemälden grundsätzlich eher zu Ockertönen als zu satten Farben.


Ein Blick auf den heutigen Kunstmarkt zeigt, dass für orientalische Motive aus dem 19. Jahrhundert noch immer eine fast ungebrochene Nachfrage herrscht. Trotz der nahezu uneingeschränkten Reisemöglichkeiten heutzutage hat die Thematik nichts an Reiz und Attraktivität eingebüsst. Fremde Kulturen, das Exotische, Unbekannte – es fasziniert die Menschen bis heute, es bleibt zeitlos. Lepold Carl Müller war ein grosser, begnadeter Vorreiter und Begründer dieses im Westen gewachsenen Interesses am mittleren Orient.

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